Ich hielt es einfach nicht mehr aus. Nachdem ich tagelang nur im Bett gelegen bin, mein iPod eine Sammelstelle der totesten Lieder überhaupt war und ich mich durch die komischsten Dinge ernährte, die mein Kühlschrank so hergab, wird es nun Zeit. Ja, ich wollte mir mehr Zeit lassen AMY & PINK zu relaunchen und viele werden wohl sagen, dass es zu früh ist, dass ich nicht genug trauere, dass ich jetzt erst einmal monatelang in einem dunklen Eck sitzen sollte. Aber ne, so läuft das nicht, Leute.
Ich bin voller Kraft, voller Tatendrang, immer mit ihrer süßen Stimme im Hinterkopf. Sie begleitet mich. Und das ist schön. Bedanken möchte ich mich besonders bei den Leuten, die mir egal wie Beistand geleistet haben und mir sogar sehr persönliche Nachrichten geschickt haben. Es tut mir leid, dass ich nur einen Teil davon beantworten konnte, aber sie taten mir sehr gut, erweiterten meinen Horizont und halfen mir wieder auf die Beine. Vielen Dank dafür.
Jetzt heißt es in Richtung Zukunft schauen. Bald beginnt das dritte Semester und damit das zweite Ausbildungsjahr. Es gibt viele Dinge, an denen ich noch arbeiten kann. Sei es an mir selbst, an meinem Fleiß, an meiner Passion, an meinem Feuer. Sei es schulisch oder in der Agentur. Das Leben bietet so viel, wenn man es nur aus dem richtigen Blickwinkel aus sieht.
So erscheint auch AMY & PINK in einer Mischung aus neuem Glanz und Altbewährtem. Noch ist noch nicht alles perfekt und hier und dort muss noch ein wenig gebastelt werden, aber ich konnte und wollte einfach nicht mehr warten. Es ist schade, dass du das nicht mehr miterleben kannst. Aber ich tu mein Bestes, um dich stolz zu machen.
Da ist es wieder. Dieses Gefühl von Hilflosigkeit, Unverständnis und Einsamkeit, dass wir doch so gut wie bezwungen hatten. Ich sitze auf unserer Bank im Park und höre den “Findet Nemo”-Soundtrack. Den Film hat sie geliebt. So wie sie konnte keiner mit diesem dummen Clownfisch mitfiebern. Und jetzt ist sie weg. Für immer.
Ich schaue zu, wie der Wind durch die Baumwipfel weht und kapiere nicht, wieso Menschen, die mir in so kurzer Zeit so viel bedeuten, in Sekundenschnelle aus meinem Leben katapultiert werden können. Sie hatte doch noch so viel vor; wir hatten doch noch so viel vor. Zusammen. Theorien, Gedanken, Gespräche, die jetzt für immer unvollendet bleiben werden, obwohl sie doch die Welt verändern sollten…
Seit gestern trage ich einen unendlichen Schmerz in mir, aber das Komische daran ist, dass er trotz allem voller Energie, Hoffnung und Lebensfreude steckt. Als hätte mir Mona die Lebensenergie, die sie in sich trug und für die ich sie immer bewundert hatte, mit ihrem Tod weiter gereicht. Ich höre ihre Stimme nun bei jeder meiner Entscheidungen, spüre ihre Art bei jeder meiner Bewegungen und schmecke immer noch ihre süße Haut in meinen Erinnerungen. Und das, was wir zusammen erlebt haben, wird uns nie jemand nehmen können.
Ich werde dich nie, niemals, vergessen, mein kleines Monalein. Durch deinen Tod ist Berlin, nein die ganze gottverdammte Welt, um die geilste kleine Denkerin überhaupt ärmer. Ich werde all die wundervollen Eigenschaften, die du mich bei unseren nächtlichen Abenteuern gelehrt hast, mit mir weiter tragen, dich und alles wofür du eingetreten bist, für immer weiter leben lassen. Du gabst mir neuen Mut. Und du fehlst mir jetzt schon. Wo immer du jetzt auch sein magst, ich hoffe dass du dort genauso viel verändern kannst, wie du es in meiner Welt getan hast. Machs gut, kleine Kolumnistin.
In einer überhitzten Sommernacht und nach einer Übermenge ungarischen Rotweins sind Mona und ich auf die glorreiche Idee gekommen uns gegenseitig Nachrufe zu schreiben, die wir bei dem sowieso unmöglichen Fall, dass jemand von uns vor dem anderen abkratzt, veröffentlichten wollten. Also setzten wir uns mit je einem Stück Papier und einem Kuli bestückt in die zwei entlegensten Ecken ihres Zimmers und kritzelten drauf los. Ich habe nur Scheiße aufgeschrieben. Lest selbst.
So Mona, du sitzt auf deinem Sitzsack, guckst mich grinsend an und lachst total dumm, während du bestimmt hundsgemeine Dinge über mich aufschreibst. Aber das kann ich auch, pass mal auf. Wenn du krepierst, kann ich endlich mal die Wahrheit über dich schreiben. Dass du zu blöd bist, deinen iPod allein zu füllen zum Beispiel. Oder dass du immer deinen Papa rufst, wenn irgendwo auch nur ein stinknormaler Marienkäfer rumläuft. Und wir dürfen auch nicht vergessen, dass du regelmäßig was anbrennen lässt, wenn wir uns mal was leckeres kochen wollen. Da guckste, gell?
Aber wenn ich daran denke, dass du irgendwann nicht mehr da sein solltest, bei mir, dann läuft es mir eiskalt den Rücken herunter. Wir haben uns gerettet, gezogen, ins Leben zurück geholt. Du schaust nun auch ernster, kannst du spüren, was ich spüre? Es macht mir Angst daran zu denken, dich nie wieder von hinten umarmen zu können, dein bescheuertes Lachen zu hören, wenn ich versuche witzig zu sein oder nicht einschlafen zu können, weil du meinst im Bad rum singen zu müssen. Nein Monalein, wir werden niemals sterben. Denn wir sind unsterblich.
Während die Tastatur unter meinen scheiß Tränen absäuft, veröffentliche ich diesen dir niemals gerecht werdenden Text. Und ich werde mir nie verzeihen, in deinen letzten Momenten nicht bei dir gewesen zu sein, Schatz. Immer werden wir so bleiben: Jung und frei und schön. Ich vermisse dich. Meine beste Freundin starb heute Nacht bei einem Autounfall.
Okay, ihr braucht euch keine Sorgen mehr zu machen. Aufatmen ist angesagt. Denn ja, ich lebe noch, bin nicht durchnässt heim gekommen und meinem Handy und dem iPod ist auch nichts passiert. Und das obwohl Sonjalein und ich heute auf’m Neuen See mit ‘ner kleinen Nussschale herum gerudert sind. Dabei haben wir Schildkröten gesucht, sind fiesen Todesenten ausgewichen (oder sind drüber gefahren, keine Ahnung) und haben uns die unlösbare Frage gestellt, wieso im Wald eigentlich so viele Bäume stehen müssen. Hat fast schon StudiVZ-Gruppen-Niveau. Fotos.
Also dieses ganze Filmdrehdingsi am Wochenende war zwar echt scheiße anstrengend (glaubt man gar nicht, wa?), aber hat trotzdem ‘ne riesen Gaudi gemacht. Und zwei Tage lang Hardcoredrehen für irgendwas um die fünf Minuten im Film lohnt sich mal richtig. Der Arbeitstitel war übrigens “Briefe an einen Engel” und soll am 9. Oktober auf Sat. 1 laufen. Wehe ihr verpasst das. Fotos.
Marcel Winatschek lebt in Berlin und arbeitet dort als Webdesigner bei der renommierten aperto AG. Er ist süchtig nach digitalem Design, Apfelschorle und Käsekuchen. Nachts springt er entweder durch die Stadt, arbeitet als freier Schreiberling, entdeckt Monkey Business in seinem Schlafzimmer, umarmt Menschen, hasst Menschen, erschreckt Menschen, bewirft Emos mit nach Pfirsich schmeckenden Donuts in einem naheliegenden Coffee Shop oder macht andere heitere, gesunde Dinge.